09.05.2019

OLG Hamm verurteilt Gynäkologen zu 500.000 EUR Schmerzensgeld

Nach einem zwölf Jahre dauernden Rechtsstreit hat das Oberlandesgericht Hamm einem geistig behinderten Kind 500.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Ein kleiner Pieks mit anschließender Blutzuckerbestimmung - mehr wäre nicht nötig gewesen, und Nelé wäre heute ein ganz normales Kind. Doch so kam es nicht. Nelé wurde am 31. August 2006 im St.-Josefs-Hospital Bad Driburg per Kaiserschnitt geholt. Ihre Mutter: "Sie wollte nicht trinken, und abens merkte ich, dass sie kalt wurde." Eine Schwester habe das Baby mitgenommen und versprochen, es warm einzupacken. "Sie wollte sich melden, wenn Nelé Hunger hat, aber sie kam nicht wieder."


Laut Patientenakte wurde um 3:50 Uhr bemerkt, dass Nelé an Händen und Füßen blau war. Sie musste wiederbelebt werden. Um 5 Uhr erschien der Notarzt, um das Baby in die Kinderklinik Paderborn zu bringen. Dort wurde der Blutzucker erstmals um 5:40 Uhr gemessen - er war viel zu niedrig. Zucker ist lebenswichtig fürs Gehirn, und weil Nelés Zuckerspiegel so lange so tief im Keller war, wurde ihr Gehirn irreparabel geschädigt.


Nach Ansicht der Gutachter war nach der Wiederbelebung des Babys das Messen des Blutzuckers zwingend erforderlich. Ein niedriger Wert hätte dann sofort mit Glukose ausgeglichen werden können. Doch der Gynäkologe, der Belegarzt an dem Krankenhaus war, unterließ den Blutzuckertest - nach Ansicht der Richter ein grober Behandlungsfehler, der für Neles heutigen Zustand verantwortlich ist.


Die Richter begründeten das Schmerzensgeld damit, dass Nele fast jede Möglichkeit der körperlichen und geistigen Entwicklung genommen sei. Sie werde ihr Leben lang Hilfe brauchen und wegen der Anwesenheit von Pflegepersonen nie eine Privatsphäre haben. (OLG Hamm, Az. 26 U 9/16)

 
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